EU-Altfahrzeug-Verordnung bestätigt: Rezyklatmengen in Fahrzeugen werden steigen
TecPart fordert Unterstützung für Recycler und Gleichberechtigung von Kunststoffabfällen
Nach der finalen Zustimmung des Europäischen Parlaments und der formalen Annahme durch den Rat ist die neue EU-Verordnung zu Anforderungen an die Kreislaufwirtschaft bei der Fahrzeugkonstruktion und der Entsorgung von Altfahrzeugen (ELV-R) politisch bestätigt. TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e. V. als politischer Vertreter der Recycler und der Hersteller technischer Kunststoffprodukte begrüßt die positiven Signale durch die avisierten Rezyklateinsatzquoten für Kunststoffe von 15 Prozent ab 2032 und von 25 Prozent ab 2036 sowie die darin enthaltene Closed-Loop-Vorgabe von 20 Prozent. Die Vorgaben bedeuten einen wichtigen Impuls für Investitionen in das Kunststoff-Recycling und die Kreislaufinfrastruktur für die Verwertung von Altfahrzeugen. Aus Sicht des Verbands gibt es jedoch enorme Herausforderungen bis zum Wirksamwerden der Verordnung in 2032.
- Für die vorgegebenen Rezyklateinsatzquoten sind neben einer „sauberen Sammlung“ von Kunststoffabfällen auch eine höhere Ausbeute für einsetzbare Kunststoffrezyklate erforderlich.
- Die qualitativ hochwertigen Rezyklate, die für den Fahrzeugbau benötigt werden, sollen aus einem verschmutzen Abfallstrom gewonnen werden. Dafür sind neue, aufwändige Behandlungsschritte erforderlich, die zu einer Kostensteigerung in der Lieferkette führen.
- Die Demontagekapazitäten für Kunststoffe aus unterschiedlichen Altfahrzeugen, sind auf Grund der bisherigen mangelnden Wirtschaftlichkeit noch nicht ausreichend etabliert und müssen nun mit Hochdruck aufgebaut werden.
- Gleichzeitig ansteigende Rezyklateinsatzquoten für andere Segmente (bspw. Verpackungen) verknappen den Markt zusätzlich, mit dem Risiko fehlender Verfügbarkeiten der erforderlichen Rezyklatmengen – vor allem bei höheren Qualitäten.
„Wir begrüßen den Kreislaufgedanken der ELV-R ausdrücklich und sehen die Chancen in einer steigenden Nachfrage nach Rezyklaten und „innovativen“ neuen Produktlösungen. Allerdings sehen wir durch günstige Neuware aus Drittländern eine erhebliche Herausforderung für die Rentabilität der heimischen Rezyklate. Ohne verlässliche ökonomische Anreize wird der Rezyklatmarkt nicht rechtzeitig anspringen“, so Michael Weigelt, der Geschäftsführer von TecPart.
Bereits die Studie „Quo vadis, PCR?“ von Porsche Consulting, KI-Group und TecPart hat den deutlichen Anstieg des Rezyklatpreises bis 2032 prognostiziert.
Zugleich laufen vielerorts bereits Projekte zur Vereinfachung von Bauteilen. Neue Bauteile werden mit weniger Kunststoffsorten entwickelt, demontagefreundlicher gestaltet, um nach der Nutzung leichter recyclebar zu sein, und auf den Rezyklateinsatz ausgelegt. Diese Produkte werden dann einer Fahrzeuggeneration zur Verfügung gestellt werden können, die jedoch aller Voraussicht nach deutlich mehr Kunststoffe in sich tragen wird, als die Fahrzeuge, die nach 20 Jahren 2032 aus dem Markt zurückkommen werden. Neben der Tatsache, dass die Altfahrzeuge weniger Kunststoffe in sich tragen als die daraus entstehenden Neuwagen, kommen insgesamt noch zu wenig Fahrzeuge mit nutzbaren Kunststoffkomponenten zurück.
Dieses Verfügbarkeitsproblem der wichtigen technischen Kunststoffe könnte durch die bislang in der EU-Verordnung nicht anrechenbaren Abfälle aus der Produktion verkleinert und weitaus wettbewerbsfähiger angeboten werden, als es mit der ausschließlichen Anrechenbarkeit von Post-Consumer-Materialien in den Einsatzquoten der Fall ist. „Es bleibt unverständlich, warum dieser wichtige Rezyklatstrom nicht für die Quote zählt“, zeigt sich Rainer Zies, Geschäftsführer der MKV-Kunststoffgranulate und Mitglied des TecPart-Vorstandes irritiert, „da schon heute absehbar ist, dass selbst mit den Pre-Consumer-Rezyklaten / Post-Industrial-Rezyklaten (PIR) die Mengen bei wichtigen Materialien eben nicht erreicht werden“.
Die im Verordnungstext vorgesehene Überprüfung, ob die erforderlichen Mengen und Qualitäten sowie wettbewerbsfähige Preise bis 2031 verfügbar sind und die Quoten gegebenenfalls angepasst werden können, schafft aus Sicht von TecPart keine Investitionssicherheit. Hier fordert TecPart eine Zulassung von allen Sekundärmaterialien und eine entsprechende Anpassung, wenn sichtbar ist, dass sich der Markt selbst trägt.
Post-Industrial Rezyklate dürfen nicht aus dem Blick verloren werden
Sollten PIR-Rezyklate zum Start nicht berücksichtigt werden, hält es TecPart für notwendig, die Auswirkungen des faktischen Ausschlusses post-industrieller Kunststoffrezyklate aus der Zielerfüllung transparent zu monitoren. PIR-Rezyklate sind seit Jahrzehnten die tragende Säule qualitätsgesicherter technischer Kunststoffkreisläufe. Sie entstehen in industriellen Prozessen, sind sortenrein, gut dokumentierbar und technisch hochwertig. Auch sie können die Lücke bei automobiltauglichen Post-Consumer-Rezyklaten nicht vollständig schließen und dürfen deshalb als ergänzender Baustein für Ressourcenschonung und Versorgungssicherheit nicht regulatorisch ausgeschlossen werden.
Recyclingbasis gezielt für den ELV-R-Hochlauf stärken
TecPart setzt sich dafür ein, dass der Hochlauf der ELV-R so gestaltet wird, dass er europäische und deutsche Recycler befähigt, hochwertige Stoffströme aufzubauen. Dafür braucht es nicht nur ambitionierte Zielwerte, sondern eine wirksame finanzielle Entlastung der in Europa hergestellten Rezyklate wie auch realistische Übergänge, Investitionssicherheit und klare Qualitätsanforderungen für Rezyklate.
In Spiegelgremien wird der Umsetzungsprozess von TecPart normativ und in eigenen Expertengruppen begleitet, um Demontageprozesse, Sortierung und Aufbereitung wirtschaftlich tragfähig zu gestalten, damit die entstehenden Rezyklate tatsächlich rentabel und final wettbewerbsfähig in Automobilanwendungen eingesetzt werden können. Nur dann kann die Transformation gelingen und können nachhaltige Produkte zum Standard werden.
Download White Paper Quo vadis, PCR? https://tecpart.de/kunststoffverarbeitung-news/
Über TecPart – Verband Technische Kunststoff-Produkte e.V.
TecPart vertritt die Interessen von Herstellern technischer Kunststoffteile in Politik, Öffentlichkeit und Fachgremien auf nationaler wie europäischer Ebene. Die Mitgliedsunternehmen sind hochspezialisiert – aus der Spritzgießtechnik, Additiven Fertigung, Compoundierung, dem Thermoformen und Kunststoffrecycling. Sie beliefern Schlüsselbranchen wie die Automobil-, Elektro-, Maschinenbau- und Medizintechnikindustrie. Die Kunststoffverarbeitung zählt mit rund 305.000 Beschäftigten und etwa 69 Mrd. € Jahresumsatz zu den stärksten Industriezweigen Deutschlands. Der von TecPart vertretene Bereich technischer Kunststoffteile steht dabei für rund 92.000 Beschäftigte und 19 Mrd. € Umsatz – ein zentraler Pfeiler dieser Schlüsselbranche. Mehr unter www.tecpart.de


